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4.2. Der Film (Intro)

Aktualisiert: 19. Feb. 2023



Der Einfluss des Kinos und des Films auf die Medienlandschaft im vergangenen Jahrhundert lässt sich nur schwer überschätzen. Die Aussage, der Kinofilm sei das dominierende Medium oder die dominierende ästhetische Form des 20. Jahrhunderts,[1] liegt mir jedoch fern und reduziert sehr differenzierte, aber auch hybride Medien auf eine konstruierte Einheit. Nichtsdestotrotz ist es offensichtlich, dass Filmtechnologien mit ihren vielen Facetten definierende Medien des 20. Jahrhunderts darstellen, deren Auswirkungen immer noch weit verbreitet bemerkbar sind. Was jedoch auch schwer abzustreiten ist, ist das seinesgleichen suchende Ausmass, mit dem der Film in das Bewusstsein der hier umschriebenen Gesellschaften Einzug fand, der rasante Aufstieg von Bewegtbild und später audiovisuellem Bewegtbild in ihren jeweiligen vorherrschenden technologischen Standards. Es sind gerade diese technologischen Standards, die mit dem schwungvollen Aufstieg eine dem in keiner Weise nachstehende Ablösung oder grundlegende Veränderung einher bringen. In der Untersuchung dieser Transformation markiert das Präfix "Post-" im Film sowohl die Kontinuität wie auch den Bruch. Ein Bruch, den hauptsächlich digitale und computer-basierte Medien zu verantworten haben.[2] Selbstverständlich reduziert diese kurze Beschreibung mehr als ein ganzes Jahrhundert von Technikentwicklung auf eine metaphorische Glockenkurve, doch geht es hier auch nicht um diese Geschichte. Vielmehr versuche ich, die neueren, den Film betreffenden technologischen Entwicklungen und die damit einhergehenden formalen Tendenzen herauszukristallisieren, welche als Entstehungsbedingungen für eine Störungsästhetik mit der Glitch Art verbunden sind. Mit der Auswahl von drei Beispielen sollen auf diese Weise verschiedene Seiten gezeigt werden, die eine historisch angelegte Erklärung der Verbreitung von Glitch Art durch den Film einnehmen kann. Im ersten Beispiel verweisen die von Thorsten Fleisch in Wound Footage (2009) angewendeten Zer-Störungen auf die Öffnung des Mediums Film im Kontext der Übersetzungsmöglichkeiten durch digitale Methoden respektive des Post-Cinema. Die Adaption verschiedener medienspezifischer Effekte, die in eine Glitch Ästhetik einfliessen können, zeigt darin gleichzeitig, wie sie diese Medienspezifik wiederum sprengen. Das zweite Beispiel ist Monster Movie (2005) von Takeshi Murata, der mit dem Prozess des Datamoshing eine klassische visuelle Glitch Art Methode verfolgt, welche die Verbreitung von Glitch Art in der Popkultur einläutet. Und drittens wird anhand des Found Footage Horrorfilmgenres gezeigt, wie simulierte Glitches eine breite Verwendung im Film gefunden haben, die sie gleichzeitig vom Glitch in der Glitch Art trennt und über offene Enden zu diesem zurückführt.

[1] Vgl. Denson & Leyda, 2016: S. 1. [2] Vgl. Shaviro, 2011: http://www.shaviro.com/Blog/?p=992 (Stand: 17.02.2023).

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