top of page

2.1. Die Website als künstlerische Forschung

Aktualisiert: 19. Feb. 2023



Die vorliegende Arbeit ist durch diverse methodische Vorhaben, wie auch theoretische Ansätze inspiriert und informiert. Sie folgt dabei nicht direkten Anleitungen, sondern versucht in der Herangehensweise den Gegenstand auch durch die Form zu erkunden und zu vermitteln. Für die doppelte Schiene der Untersuchung von Glitch Art als künstlerischer Praxis und der Diskurse, die Glitch Art als Genre umgeben, definieren und konstituieren, greife ich auf zwei Verfahren zurück.


Zuerst ist die Arbeit als Website erdacht und die Erkenntnisse werden am Ende folglich auch auf einer solchen festgehalten. Dies evoziert einen Kontext von künstlerischer Forschung im und durch das Internet. Die Netzkunst, welche sich künstlerisch mit Websites und dem Internet befasst, respektive deren Einfluss auf die Glitch Art, waren Ausschlag gebend, in der Entscheidung, die vorliegende Arbeit als multimediale Website und als künstlerische Forschung durchzuführen. Die Verbindung der Netzkunst mit Glitch Art ist in historischen Untersuchungen weit verbreitet. Noch allgemeiner finden sich auch Argumente, welche die Glich Art generell als stark durch das Internet geprägt kennzeichnen. In der Einleitung zum Ausstellungskatalog Glitch Art is Dead schreiben die Herausgeber:innen: "Glitch art is a kind of art that's [being] created considering the medium that defines its environment so its main purpose is to be exhibited via the Internet."[1]


Weiter werden in der Verwendung einer Website als Struktur der Forschung und Vermittlung diverse Räume eröffnet. Die Website und der Hypertext ermöglichen es, in den Text Querverweise einzubauen, die Konventionen eines linearen und eindeutigen Lesefluss aufbrechen. Das Ziel ist es, dadurch die Zerstreuung und Ambiguität, aber auch die Brüche, die Hypertext und Glitch mit sich bringen, auf die Forschung und deren Vermittlung anzuwenden. Diese Absicht wird durch die Form der Website verfolgt, welche sich diesbezüglich besser anbietet, als ein Fliesstext – dessen Bezeichnung schon Programm ist, auch wenn das Surfen eine Ähnliche Bewegung andeutet. Ein Versuch die Hypertext-Logik im Print und durch die Typographie darzustellen, findet sich etwa bei Bolter & Grusins Werk zur Remediation.[2]


Neben der inhaltlichen Verbindung des Gegenstands zur Form der Website, ermöglicht eine solche die Ergänzung des Textes durch Beispiele, welche der hybriden, multimedialen Form von visueller Glitch Art näherkommen. Über die Website können Videos, Animationen, Links und Bilder in verschiedenen Formaten eingesetzt werden, die ihren Vorzeigecharakter bis zu einem gewissen Grad verlieren, wenn sie zu Screenshots und für das Pdf-Dokument aufgearbeiteten Formaten transformiert werden.


Unter diesen Gesichtspunkten nimmt die vorliegende Arbeit die Form einer moderaten künstlerischen Forschung ein. Der experimentelle Aspekt bezieht sich dabei auf die Vermittlung der Erkenntnisse, wobei deren Form dadurch nicht weniger sowohl den Gegenstand wie auch den Prozess der Forschung informiert hat. Das bedeutet in anderen Worten, dass diese Gestalt von Beginn an auch das Vorgehen und die Denkweise strukturiert hat, sowie im Nachhinein reflektiert. Die Logik des Hypertexts beispielsweise ist demnach nicht nur eine letzte Übersetzung, sondern verweist auf die Art der Herangehensweise von der Erkundung des Gegenstands im Netz bis zur Produktion des weniger linear konzipierten Textes und spiegelt etwa auch eine Seite der Informationsbeschaffung durch die Lektüre, was Hayles mit Hyper Reading bezeichnet: "Hyper reading, which includes skimming, scanning, fragmenting, and juxtaposing texts, is a strategic response to an information-intensive environment, aiming to conserve attention by quickly identifying relevant information, so that only relatively few portions of a given text are actually read."[3]


Ich verwende hier zudem das Adjektiv "moderat", weil die Übertragung der Vorgehensweisen der Glitch Art auf die Forschung sehr begrenzt ist und in der Herstellung und Bearbeitung von Beispielmaterial verweilt. In einer ausgiebigeren Form könnte die Website als Kommunikationstechnologie selbst mit den Methoden der Glitch Art stärker aufgebrochen und gestört werden, wodurch wiederum vermehrt auf deren Bedingungen der Vermittlung hingewiesen würde. Auch wenn die Trennung nicht eindeutig ist, handelt es sich in den Worten von Sollfrank mehr um eine künstlerische Forschung im Internet als um eine mit dem Internet,[4] welche sich dessen ausgiebiger als experimentelles Werkzeug bedienen würde.


So muss zuletzt darauf hingewiesen werden, dass die Internetseite, wie heutzutage die Mehrheit der Websites, mit einem Baukasten Tool, namentlich demjenigen von Wix.com[5] hergestellt wurde. Diese Tools bringen ihrerseits wiederum Implikationen und Aufforderungen mit sich, die in einer ausgiebigeren künstlerischen Forschung kritischer und experimenteller reflektiert werden sollten.

[1] Pieńkosz & Płucienniczak, 2016: Introduction. [2] Vgl. Bolter & Grusin, 2000: S. 14. [3] Hayles, 2012: S. 12. [4] Vgl. Sollfrank, 2015: S. 299. [5] Vgl. Wix.com. About. https://de.wix.com/about/us (Stand: 17.02.2023).

Ähnliche Beiträge

Alle ansehen
bottom of page